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  • Joan Hinterauer

BVB & Aubameyang, Führungs- oder Sinnkrise?


Die Sportschlagzeilen dieser Tage, sind voll mit den vermeintlichen Verfehlungen des BVB Spielers Pierre Emerick Aubameyang. Auba, wie der Stürmer auch genannt wird, ist am letzten Samstag einer Mannschaftssitzung ferngeblieben. Ausgerechnet einen Tag vor dem so wichtigen Frühjahrsauftakt.Die Borussen wollen vom Rückrundenstart weg, die durchwachsene Leistung des Herbstes vergessen machen. Tatsächlich beginnt die Geschichte früher.

Neben einigen kapitalistischen Eskapaden in den ersten Jahren der Zusammenarbeit, war im November 2016 ein Knackpunkt. Auba reiste unerlaubt nach Mailand. Das führte zu einer verspäteten Rückkehr zur Mannschaft. Für diese Aktion wurde er vom damaligen Trainer Thomas Tuchel aus dem Champions-League-Kader gestrichen. Schon bald folgten weitere direkte Provokationen dem BVB gegenüber. Vieles deutet daraufhin, dass Auba von diesem Zeitpunkt an begann, sich aktiv mit einem Vereinswechsel auseinanderzusetzen. In der Gerüchteküche brodelte mal, China dann Spanien oder auch England ...


Warum kümmert uns die Geschichte des Fußballers? Aus unserer Sicht ist in 2016 etwas passiert, das auch in Firmen an der Tagesordnung steht. Aubameyang ist ein außergewöhnlicher Spieler. Der Erfolg des BVB scheint direkt mit ihm verbunden zu sein. Auch im Business-Kontext nennen wir solche Angestellten Top-Performer / Schlüsselmitarbeiter. Vielleicht ist er sogar der Ausnahmeerscheinung in einem Team von Höchstleistern. Die in Toren und Torvorlagen vermeintlich einfach zu zählenden Erfolge machen gerade Stürmer Toren zu Superstars. Uns erinnert das an Vertriebsmitarbeiter. Firmen messen sie gerne an ihrem Umsatz. Sie ziehen die Aufträge an Land. Oft sind sie auch im besonderen Maße sensibel. Fühlen sie sich unwohl, gehen sofort die Abschlüsse zurück. Das Geschäftemachen holpert. Natürlich stellen auch wir uns deshalb die Frage: Wie führt man solche Höchstleister? Hätte die Club-Spitze Auba besser führen können?

Um der Frage aus unserem Blickwinkel auf den Grund zu gehen, betrachten wir zuerst das Umfeld. Der BV unterliegt dem absoluten Leistungsprinzip, vielleicht noch stärker wie viele Unternehmen. Allerdings unterscheidet sich der Erfolgsweg eines Fußballvereins. Statt eines ordentlichen finanziellen Monatsergebnisses braucht der BVB möglichst viele sportliche Punkte. Sie kann er dann in finanziellen Erfolg ummünzen.

Für uns alle sichtbar, übernehmen in letzter Konsequenz die Spieler auf dem Rasen die Verantwortung dafür. Der Trainer kann sie vorbereiten. Er kann sie dabei unterstützen zu einem funktionierendem Team zusammen zu wachsen. Im Alltag umsetzen, müssen es die Spieler. Die Tore dazu liefert Auba. Solange das passt, verzichten wir auf eine klar anweisende Hierarchie. Mehr noch, der Stürmer ist für Club und Mannschaft unverzichtbar. Naturgemäß lotet ein Höchstleister seine Grenzen aus. Das war auch in unserem Beispiel lange Zeit der Fall. Die Konfliktsituationen beruhigte das System mit kleineren Strafen. Bis zum November 2016. Damals kam es zu einem Bruch, der Trainer nutzte seine formale hierarchische Position, um den Spieler in die Schranken zu weisen. Die Clubführung bestätigte die formale Überordnung.


In diesem entscheidenden Moment koppelte Auba sich aus dem System des BVB. Im der Zwischenzeit entkoppelte er völlig.

Wir setzen uns mit diesem Phänomen ständig auseinander. Hat es doch erheblichen Einfluß auf die Listung von Mitarbeitern. Gebhard beschrieb es bereits vor Jahren als Sinnkopplung. Wie sehr es unsere Wirtschaft betrifft, zeigt ein ums andere Mal die Gallup Studie. Sie spricht beim ausgekoppelten Zustand (innere Kündigung) von geringer, beim entkoppelten Zustand (aktive Kündigung) von keiner emotionalen Bindung.

Die Geschichte von Auba lässt uns genau verfolgen, wie dieser schleichende Prozess vor sich geht. Hier verstärkt durch die Machtmechanismen formaler Hierarchie. Einmal durch die konsequente Durchsetzung von formaler Führung verletzt, koppelt der Spieler aus. Er beginnt mit anderen Vereinen und Städten zu liebäugeln. Beim Kokettieren erkennt er, dass andere Vereine ihm wesentlich mehr Gehalt bieten. Woraufhin er entkoppelt. Er verändert seinen Lebensentwurf. Aus seiner sich ist es ganz einfach: Der BVB akzeptiert ihn nicht weiter als kreativen Höchstleister. Er soll sich dem Vorgesetzten beugen. Doch der schießt Sonntags keine Tore oder?

Entkoppelt der Lebensentwurf des Mitarbeiters vom Handeln des Systems, in unserem Beispiel des BVBs, nennen wir das innere Kündigung.

Sicherlich gibt es zahlreiche weitere Einflüsse, wie etwa die Spielerberater. Die lassen wir ja sogar noch außen vor. Sie wirken allerdings wie gute Freunde oder Headhunter im Firmenkontext. Wer in seiner Organisation verstehen will, aus welchen Gründen Mitarbeiter an-, aus- oder entkoppeln, dem hilft das Denk-Werkzeug der Firmen-DNA (siehe Bild oben). Sie ermöglicht, das eigene Unternehmen so tiefgreifend zu verstehen, dass die Erkenntnisse der Gallup Studie ihre Gültigkeit für den eigenen Betrieb verlieren.

Mit der Firmen-DNA finden Sie heraus, warum Menschen gerne in Ihrer Firma arbeiten. Sie erkennen, wenn es dazu kommt, dass die Lebensentwürfe der Menschen vom Geschäftsmodell der Firma entkoppeln. Gerade bei Fachkräftemangel oder auf der Suche einer Nachfolge ist es zentral, diese Punkte zu verstehen und damit umgehen zu können.

Das Bewusstsein über Sinnkopplung ist wie eine dezentral aufgestellte Organisationsstruktur, ein entscheidendes Argument, um zukünftig die besten Talente gewinnen und halten zu können.

Setzen auch Sie Ihre Vergangenheit zurück, gehen Sie raus ...

Gebhard Borck & Joan Hinterauer

Bild Pierre Emerick Aubameyang: Quelle Bigstock, für Redaktionelle Verwendung

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© 2017 - 2020 von Joan Hinterauer, Salzburg (AT) & Gebhard Borck, Pforzheim (DE)

        

Bei Fragen kontaktieren Sie uns bitte via rueckenwind@perspektivreise.de

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