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  • Joan Hinterauer

Innovationen werden erst durch ihre Umsetzung relevant 4/4


Im letzten Beitrag sind wir anhand eines praktischen Beispiels auf die Bedeutung der Sozialen Innovation für den Mittelstand eingegangen. Wie angekündigt werden wir dieses Mal die relevanten Aspekte, die sich aus dem Beispiel ergeben, näher beleuchten.

Wir erinnern uns. Eine Mitarbeiterin hatte einen Kunden, der sich nicht zum Kauf entschließen konnte, ohne die Produkte gesehen zu haben. Der Weg zur Ausstellung war zu weit. Deshalb schien der Auftrag verloren. Allerdings nicht für die Mitarbeiterin. Sie drehte kurzerhand eine Videopräsentation für den Kunden. Woraufhin der bestellte. Inspiriert vom Erfolg zog die Mitarbeiterin weitere Kreise. Sie lud alle Kolleginnen und Kollegen ein, gezielt Erklärvideos zu erstellen und in den Verkaufsprozess einzubeziehen. So gelang ihr eine Innovation, die für den gesamten Vertrieb wirkt. Das Besondere ist, im Unternehmen gibt es keine formale Führung, die der Mitarbeiterin Einhalt gebieten kann. Folgende Punkte verdeutlichen, was hier passiert:

  • Die Innovation entstand durch Kundennähe und wurde von Kollegen bewertet, die auch direkt im täglichen Kundenkontakt stehen. Diese Tatsache garantiert eine hohe Wirkung der Innovation. Dass es sich dabei keineswegs um Zufall oder Glück handelt, belegt die Studie von Justin Berg:"Balancing on the Creative High-Wire: Forecasting the Success of Novel Ideas in Organizations". Ihre Ergebnisse zeigen: ganz normale Mitarbeiter von der Basis bewerten die Gültigkeit von Innovationen deutlich besser, als Führungskräfte. Sein Testfeld ist der Zirkus. Dort hat er die Möglichkeit, direkte Rückmeldung vom Publikum zu generieren. Ein optimales Umfeld, für den Test. Kunststücke, die Mitarbeiter für gut befinden, gefallen auch dem Publikum. Vorführungen, die die Führungskräfte des Zirkus auswählten, schnitten bei den Zuschauern erkennbar schlechter ab. Wir teilen diese Erfahrungen. Führungskräfte und ihre gängigen Praktiken wirken auf Innovationen wie hohe Temperaturen auf Eis – sie schmelzen sie weg.


Bild von Trinity Treft on Unsplash.com

  • Zeit & Politik — Im Beispiel zog die Mitarbeiterin direkt weitere Mitarbeiter mit ein. Es braucht keine Zeit, um die Idee an eine Führungskraft "zu verkaufen". Stattdessen geht es sofort um die Bewertung durch Kompetenzträger. Das umgeht zugleich die Möglichkeit, dass eine Führungskraft die Innovation aus politischen Gründen schlimmstenfalls blockiert. Wer sich an die Anfänge der Firmengeschichte erinnert, erkennt das dort übliche Leichtfüßige wieder. Mit zunehmender Formalisierung der Hierarchie wird es klammheimlich immer stiller um die Ideen aus den Reihen der Mitarbeiter.

  • Es gibt keine persönliche Bonusvereinbarung. Dadurch hindert sie kein Eigennutzen daran, die Idee zu teilen. Sozialer Zusammenhalt unterstützt die Menschen den Blick darauf zu richten, was der Firma guttut. Immer mehr Organisationen arbeiten auf Teamebene inzwischen selbstorganisiert, so wollen sie von den Vorzügen der Kollaboration profitieren. Doch mittel- und langfristig heißt die Herausforderung Selbststeuerung. In strukturellen und strategischen Themen entfaltet sozialer Zusammenhalt seine Wirkung, wenn Menschen direkt und ungeschönt die Konsequenzen ihrer Arbeit verstehen. Dafür braucht es Kassentransparenz über das gesamte Unternehmen hinweg. Die formale Hierarchie mit ihren Anreizsystemen wirkt hier wie eine Milchglasscheibe.

  • Eine nachhaltige Umsetzung der Innovation resultiert daher, die Kolleg*innen früh einzubeziehen. Dadurch können auftretende Widerstände sofort in den Vorschlag einbezogen werden – er entwickelt sich weiter, anstatt auf der politischen Bühne mit faulen Kompromissen hinter den Kulissen durchgekämpft zu werden. Die Betroffenen identifizieren sich mit der Veränderung, weil sie sich selbst daran beteiligen. Von unseren Kunden wissen wir, es braucht keine Führungskraft oder Changemanager, die den Menschen hinterher laufen. Entscheiden sich die Mitarbeiter selbst für eine Veränderung, bleibt unter Umständen kein Stein auf dem anderen. Formale Hierarchen stehen da nur im Weg. Sie bremsen die nötige Entwicklung aus.

Dieses Beispiel zeigt, es gibt genug Ideen. Das größte Hindernis für Innovation ist der Widerstand aus der Belegschaft gegen die Umsetzung. Soziale Innovation ermöglicht Mittelständlern, ihren Größenvorteil gegenüber den starren Hierarchien der Konzerne auszuspielen.

In Konsequenz hieße das: Während Konzerne noch ihr Geld in den Kauf von Startups, die Entwicklung von Innovationsprozessen oder externe Innovationsberater stecken – setzt der kluge Mittelständler schon lange um.

Im nächsten Beitrag werden wir den Zusammenhang zwischen Geschäftsmodellinnovation und Sozialer Innovation anhand eines weiteren Beispiels aus dem Mittelstand beleuchten. Kurzer Ausblick: Innerhalb von kürzester Zeit schließt sich ein Vertriebskanal. Durch die Soziale Innovation meistert die Firma eine Situation, die ansonsten schnell in der Insolvenz enden kann.

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Gebhard Borck & Joan Hinterauer

Die Perspektivreise ist ein Angebot an Unternehmer/innen, die sich in die eigene Klarheit begeben wollen hinsichtlich der Zukunft ihrer Firma. Im Fokus steht dabei der Vertrauensgewinn in eine Betriebswirtschaft mit Menschen und die Entwicklung der eigenen individuellen DNA Ihrer Firma - Als Ausgangsbasis für eine gezielte zukunftsfähige strategische Ausrichtung. Sie haben auf der Perspektivreise die exklusive Möglichkeit 5 Tage mit Wirtschaftsvordenker und Bestsellerautor Gebhard Borck zu verbringen. Er experimentiert nicht mehr, er hat bewiesen, dass es geht (siehe Buch "Chef sein? Lieber was bewegen!" : Buch kaufen). Mit seinen Denkwerkzeugen bringt er Sie in die Lage die Zukunft Ihrer Firma gezielt zu entwickeln. Sie müssen sich nicht länger auf den Zufall oder auf die Ratschläge von Buzzword-Beratern verlassen. Dabei unterstützt wird er von Joan Hinterauer, der seinerseits den inspirierenden Rahmen zum Wissensaustausch sicherstellt. Vereinbaren Sie ein unverbindliches Interessentengespräch: Interessentengespräch.

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© 2017 - 2020 von Joan Hinterauer, Salzburg (AT) & Gebhard Borck, Pforzheim (DE)

        

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